Bernd Schäfer: Sagen und Zeigen. Mit Michael Collins und dem Mond

Wer mir auf Twitter folgt oder regelmäßig mit mir spricht, hat womöglich mitbekommen, dass ich angefangen habe, mich intensiv an Wittgenstein abzuarbeiten. Nach der Tractatus-Lektüre ist es besonders Wittgensteins Unterscheidung von Sagen und Zeigen, die mich noch lange beschäftigen wird.

 

Mit den folgenden Worten verbinde ich diesen Gedanken mit einem Ereignis, dass sich am 21. Juli zum 50. Mal jährt: der ersten Mondlandung. Während Neil Armstrong und Edwin »Buzz« Aldrin mit der Fähre landeten, musste Michael Collins in der Kapsel zurückbleiben. Er stand später immer im Schatten seiner beiden Kollegen und Nixon vergaß ihn sogar zu erwähnen. Aber ohne ihn wäre die Mission genauso wenig möglich gewesen, wie ohne seine beiden Kollegen, die auf dem Mond landeten.

 

Er umkreiste mit der Apollo-Kapsel mehrmals den Mond und verbrachte gut die Hälfte der Zeit im Funkschatten des Mondes ohne Kontakt zur Erde oder zu seinen Kollegen. Einsam soll er sich nicht gefühlt haben, er machte sich Sorgen um die Rückkehr der Landefähre und wie sein Leben aussehen würde, wenn er alleine zur Erde zurück kommen müsste.

Aber er war auf eine Weise allein, wie nie ein Mensch (oder ein anderes Menschen bekanntes Lebewesen) zuvor.

„Ich bin jetzt allein, völlig allein, abgeschnitten von jeder Lebensform, die wir kennen. Würde man jetzt zählen, käme man auf drei Milliarden plus zwei auf der anderen Seite des Mondes und auf eins plus Gott weiß was auf dieser Seite. Ich mag die Vorstellung.“ (Michael Collins: Carrying the Fire, An Astronaut’s Journeys.)

 

Dieses Alleinsein, diese Ausnahmesituation ist mit Worten kaum zu beschreiben. Vielleicht hat Collins bereits die besten Worte gefunden. Diese unermessliche Entfernung zu den nächsten Menschen, das Vertrauen auf das errechnete, äquilibrierende Dahingleiten zwischen Anziehungskraft und Fliehkraft. Ich kann lange darüber sinnieren und versuchen mich in Collins hineinzufühlen, aber es bleibt immer ein Rest Unverständnis, etwas Unaussprechliches. Ich kann nicht sagen, was ich dabei fühle aber Collins’ Geschichte zeigt es.

 

von Bernd Schäfer,

Twitter: @epikur404

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